Übliche Druckschrift war bis zum Jahr 1941 die Fraktur, insbesondere die Schwabacher. Von den Nationalsozialisten wurde die Fraktur zunächst als "Deutsche Schrift" bezeichnet. Die Antiqua wurde in jeder Form als fremdländisch und "nichtarisch" abgelehnt. "Arteigene" Schriften waren ausschließlich die gotischen und Frakturschriften.
1941 schließlich wurde die Fraktur verboten, da es sich dabei um "Judenlettern" handelte. Stattdessen führte man die ("nichtarische"!) Antiqua ein. Diese bezeichnete man als "Normal-Schrift".
Häufig wird dieses Verbot auf vermeintliche Probleme der Bevölkerung in den besetzten Gebieten mit den gebrochenen Schriften zurückgeführt. Dem muß entgegengehalten werden, daß den Nazis wohl klar war, daß Plakate, Flugblätter und andere Schriftstücke sowohl in der jeweiligen Landessprache als auch mit der dort üblichen Schrift verfaßt werden mußten, um verstanden zu werden.
Der tatsächliche Grund, sich von der Fraktur zu trennen, war wohl der, daß das mächtige Nazideutschland, nachdem es am 20. Mai 1940 die britisch besetzte Insel Kreta eroberte hatte, die Herrschaft über Europa greifbar nahe vor sich sah und sich ein modernes Image geben wollte.
Die Fraktur erholte sich auch nach dem Ende des 2. Weltkriegs nicht von diesem Verbot. Bis heute wird sie allzuleicht als "Nazi-Schrift" verurteilt.
Das Verbot wurde in einem Rundschreiben vom 3. Januar 1941 durch den Stellvertreter des Führers, Martin Bormann, ausgesprochen:
"Rundschreiben (nicht zur Veröffentlichung)
Zu allgemeiner Beachtung teile ich im Auftrag des Führers mit:
Die sogennante gotische Schrift als eine deutsche Schrift anzusehen und zu bezeichnen ist falsch. In Wirklichkeit besteht die sogenannte gotische Schrift aus Schwabacher-Judenlettern. Genauso wie sie sich später in den Besitz der Zeitungen setzten, setzten sich die in Deutschland ansässigen Juden bei der Einführung des Buchdrucks in den Besitz der Buchdruckereien, und dadurch kam es in Deutschland zu der starken Einführung der Schwabacher-Judenlettern.
Am heutigen Tage hat der Führer in einer Besprechung mit Herrn Reichsleiter Amann und Herrn Buchdruckereibesitzer Adolf Müller entschieden, daß die Antiqua-Schrift künftig als Normalschrift zu bezeichnen sei. Nach und nach sollen sämtliche Druckerzeugnisse auf diese Normalschrift umgestellt werden. Sobald dies schulbuchmäßig möglich ist wird in den Dorfschulen und Volksschulen nur mehr die Normalschrift gelehrt werden.
Die Verwendung der Schwabacher-Judenlettern durch die Behörden wird künftig unterbleiben; Ernennungsurkunden für Beamte, Straßenschilder u. dergl. werden künftig nur mehr in Normalschrift gefertigt werden.
Im Auftrage des Führers wird Herr Reichsleiter Amann zunächst jene Zeitungen und Zeitschriften, die bereits eine Auslandsverbreitung haben, oder deren Auslandsverbreitung erwünscht ist, auf Normalschrift umstellen.
gez. Bormann"
Übrigens... Sinnigerweise stand auf dem Briefkopf des Rundschreibens der Schriftzug "Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - Der Stellvertreter des Führers" in Fraktur...
Das Rundschreiben finden Sie unter http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bc/Schrifterlass_Antiqua1941.gif im Original.
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