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Der Hl. Magnus - Apostel des Allgäus

Die enge Beziehung zu meinem Heimatort Roßhaupten und mein Interesse an der Ortsgeschichte hat mich dazu gebracht, aus der Magnus-Vita die Passage zu schreiben, in der St. Mang in der Umgebung von Roßhaupten war.

Der Text ist entnommen aus dem Wiegendruck "Der Heiligen Leben" von Günther Zainer, Augsburg und ist im Jahr 1472 entstanden. Als Vorlage hat mir eine Faksimile-Ausgabe gedient. Die Gestaltung der Initiale erfolgte jedoch nicht nach diesem Druck.

Die vorliegende kalligraphische Arbeit ist im Mai 2002 entstanden.

Ich möchte es auf diesen Internetseiten nicht versäumen, neben der Vorstellung meiner kalligraphischen Arbeit auch die Transkription des Textes sowie die Sage, die den Hl. Magnus mit Roßhaupten verbindet, vorzustellen.

Transkription des Textes

Der heilige Herr Sankt Mang begab
sich auf den Weg mit seinen Brü-
dern, und als sie an die Stätte ka-
men, die Roßhaupten hieß, da sag-
te man ihm, es läge ein großer Drache
da, der ließe keinen den Weg weitergehen.
Da sprach Sankt Mang zu dem
Priester Tozzo: Lieber Bruder, wir sollten diese
Nacht hierbleiben und sollten unseren Herrn

bitten, daß er den Drachen von dannen treibe.
Und sie blieben die Nacht da. Da betete Sankt
Mang die ganze Nacht und rief unseren Herrn
mit großer Innigkeit und bat ihn, daß er den Dra-
chen vertreibe. Um Mitternacht sprach er zu Tozzo:
Schicke einen Menschen zu mir, der mich an
die Stelle führt, wo der Drache liegt. Da sprach dieser:
Lieber Bruder, ich fürchte, der Drachen wird dich
töten. Da sprach Sankt Mang: Hilft uns Gott,
so vermag niemand etwas gegen uns. Wir werden im
Namen Gottes gehen und werden uns Gott anvertrauen
wie er Daniel erlöste in der Löwen-
grube. Als er das gesagt hatte,nahm er ein geseg-

netes Brot in seine Tasche und nahm Pech und
Harz in seine Hand, hängte ein Kreuz an sei-
nen Hals und trug des Sankt Gallus Stab mit sich.
Er ging hin und betete und sprach: Allmäch-
tiger Gott, du hast mich hergeführt  von einem fernen
Land. Und wie du Tobias deinen Engel sandtest,
so sende mir deinen Engel, daß er mich er-
löse von dem Drachen. Und zeige uns die heil-
same Stätte unserer Wünsche. Als er so ge-
sprochen, da machte er ein Kreuz über sich und nahm

das geweihte Brot und tat es in seinen Mund.
Er kam an die Stelle, wo der Drache lag. Und
als ihn der Drache sah, stand er wütend
gegen ihn auf. Da nahm er das Pech und das Harz
und war es dem Drachen heftig in den
Schlund und sprach: Hilf mir, Herr mein Gott. Sofort
wurde der Drache verglüht und starb. Das
sah der, der bei Sankt Mang war, und dieser
lief zu seinen Gesellen und sprach: Kommt und
seht, Sankt Mang hat den Drachen getötet! Da
standen sie sogleich auf und fanden Sankt

Mang in sein Gebet vertief, wie er dankte
unserem Herren für alle die Gnade, die dieser ihm
erwiesen hatte. Da sprach der Priester Tozzo: Herr,
wir danken dir und sagen dir Lob und Ehre dafür, daß
du uns gegeben hast einen heiligen Men-
schen durch dessen Willen due die Stätte gereinigt
hast von dem Drachen, so daß man da nun wohnen
kann.

Die Roßhauptener Magnussage

In der Gegend, wo jetzt das Pfarrdorf Roßhaupten liegt, hauste einst in einer tiefen Schlucht ein scheußlicher Lindwurm, der Menschen und Vieh nachstellte. Besonders auf Pferde hatte er es abgesehen. In seiner Höhle soll ein ganzer Berg von Roßschädeln gelegen haben, wovon, wie man sagt, nachmals der name Roßhaupten gekommen sein soll. Als nun Sankt Mang in diese Gegend kam, da ging er, ein Kreuz auf der Brust, seinen Stab in der einen, einen Pechkranz in der andern Hand, auf das gefürchtete Untier los und schleuderte ihm unter Anrufung Gottes den Pechkranz in den geöfneten Rachen. Der Lindwurm schluckte, druckte und zerbarst vor des heiligen Füßen. Der aber dankte Gott.
(Quelle: Allgäuer Sagen, Alfred Weitnauer)

Wie bei jeder Sage ist natürlich auch ein geschichtlicher Hintergrund vorhanden:
Der pferdefressende Drache symbolisiert eine Straßenburg nahe Roßhaupten, die auf die Durchreisenden und Anwohner eine Zwingherrschaft ausübte. Magnus vernichtete diese symbolisch durch das Hineinschleudern des Pechkranzes.